NuklearmedizinNuklearmedizin

Nuklearmedizin

Unter Nuklearmedizin versteht man das medizinische Fachgebiet, in dem für Diagnostik und Therapie kurzlebige offene Radionuklide verwendet werden.

Die Verteilung des Radionuklids im menschlichen Körper wird mit einer Gammakamera gemessen.

Wann ist eine Nuklearmedizinische Untersuchung sinnvoll?
Schilddrüse: Nachweis heißer / kalter Knoten (Funktion) Größe, Form, Lage der SD
Skelett : Diagnostik degenerativer entzündlicher, traumatischer, orthopädischer, tumoröser Skeletterkrankungen (z.B.Skelettmetastasen); postoperative Verlaufskontrollen
Nieren : Nierensequenzszintigraphie, Perfusion, Clearance, Abfluss, Hochdruckabklärung
Lunge : Nachweis einer Lungenarterienembolie; Shunt-Nachweis
Weichteile : Weichteilszintigraphie bei entzündlichen Gelenkerkrankungen
Herz : Darstellung der Durchblutung der linken Herzkammer in Ruhe und Belastung
Speicheldrüse : Diagnostik und Funktion der Speicheldrüse
Wie funktioniert die Nuklearmedizinische Technik?

Nuklearmedizin

Unter Nuklearmedizin versteht man das medizinische Fachgebiet, in dem für Diagnostik und Therapie kurzlebige offene Radionuklide verwendet werden. In der modernen nuklearmedizinischen Diagnostik wird im wesentlichen Technetium 99m (Tc99m)verwendet. Dieses Nuklid zeichnet sich durch günstige physikalische Eigenschaften aus, insbesondere kurze Halbwertszeit, gute Verfügbarkeit und für die Diagnostik ideale Strahlenenergie. Hieraus resultiert eine geringe Strahlenbelastung.

Reines Tc99m eignet sich zur Stoffwechseluntersuchung der Schilddrüse, Tc99m gebunden an bestimmte Pharmaka ermöglicht Funktionsuntersuchungen der unterschiedlichen Organsysteme, beispielsweise der Nieren

Es werden spezielle Pharmaka mit Tc99m markiert, die sich aufgrund des Stoffwechsels des Menschen oder wegen ihrer Zusammensetzung in der jeweils zu untersuchenden Region, bzw. Organen anlagern, eingebaut oder verstoffwechselt werden: Ein klassisches Beispiel ist TC99m an Bisphosphonate gebunden zur Untersuchung des Skelettsystems oder gebunden an Eiweißpartikel zur Lungenperfusionsdiagnostik oder reines Tc99m, das sich bevorzugt in der Schilddrüse anlagert. Aufgrund der Verteilung des Technetiums lassen sich eine Reihe von Diagnosen stellen, so neben vielen anderen, z.B. ob sich im Skelettsystem Metastasen eines bösartigen Tumors angesiedelt haben.

Die von dem Tc99m ausgehende -Strahlung wird von einem hochempfindlichen Detektorsystem (-Kamera) gemessen.

Gammakamera

Eine Gammakamera ist eine bilderzeugende Apparatur der Nuklearmedizin zur Darstellung der Verteilung inkorporierter - strahlender Radionuklide als statische oder dynamische Szintigramme. Der Detektor (auch Messkopf genannt), der mit einem leistungsfähigen Rechner gekoppelten Gammakamera, hat bei modernen Großfeld-Rechner-Kameras ein Untersuchungsfeld in rechteckiger Form von bis zu 40x60 cm. Die - Strahlung, die den Patienten in alle Raumrichtungen verlässt, erzeugt nach Passieren eines Kollimators im Kopf der Kamera, der jeweils nur eine Projektionsrichtung ausblendet, in einem Natriumjodid-Kristall Lichtblitze. Diese Lichtblitze werden mit Hilfe von Sekundärelektronenvervielfachern (SEV), auch als Photomultiplier bezeichnet, in elektrische Impulse umgewandelt und nach Passage einer Ortungselektronik in einem Rechner als Radionuklidverteilungsbilder dargestellt werden.

Wie werden die Untersuchungen durchgeführt?

Bei Aufnahmen mit einer Gammakamera unterscheidet man verschiedene Aufnahmearten:

Statische Aufnahmen in planarer Technik

Unter statischen Aufnahmen versteht man eine zweidimensionale Darstellung der Verteilung von inkorporierten Radionukliden. Sinnvollerweise wird diese Art der Aufnahme nur für derartige Prozesse angewandt, bei der sich die Radionuklidverteilung innerhalb der Aufnahmezeit (bis zu maximal 30 Min.) nicht oder nur geringfügig verändert.

Dynamische Szintigraphie

Im Gegensatz zur statischen Szintigraphie wird bei der dynamischen Szintigraphie die Aktivitätsverteilung des Radionuklids kontinuierlich über einen bestimmten Zeitraum bis zur Beendigung des Verteilungsvorganges im Körper erfasst. So kann z.B. die Durchblutung einer bestimmten Region erfasst werden.

Sequentielle Aufnahmen

Von den dynamischen Aufnahmen sind die sequentiellen Aufnahmen abzugrenzen. Bei dieser Aufnahmeart wird in bestimmten Abständen wie z.B. 1 Minute über eine einstellbare Zeit (z.B. 15 s) jeweils die Aktivitätsverteilung bestimmt. Man erhält auf diese Weise eine ganze Reihe von Darstellungen. So können z.B. Funktionsuntersuchungen der Nieren durchgeführt werden.

SPECT

Abkürzung für Single-Photon-Emission-Computer-Tomography.

Diese nuklearmedizinische Untersuchungsart ist der aus der Röntgendiagnostik bekannten Computer-Tomographie vergleichbar. Auch in diesem Fall werden Querschnittsbilder bzw. Aufnahmerekonstruktionen in allen drei Raumebenen des Patienten in der zu untersuchenden Region erstellt; z.B. des Gehirns oder der Lunge. Hierbei rotiert der Kamerakopf mit dem Kristall (z.B. um 360°) um den in der Regel liegenden Patienten. Vergleichbar der Bilderzeugung bei der Computertomographie werden auch hier von einem leistungsstarken Rechner ein bzw. mehrere Querschnittsbilder der Verteilung des Radiopharmakons erzeugt.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Die bekannteste nuklearmedizinische Therapie ist die Radiojodtherapie. Für diese Behandlung ist eine stationäre Aufnahme auf einer nuklearmedizinischen Therapiestation notwendig. Bei entsprechenden Krankheiten kann meist mit dieser Methode eine Operation der Schilddrüse vermieden werden.

In der Praxis des niedergelassenen Nuklearmediziners (so auch in unserer Praxis) wird vor allem die Radiosynoviorthese als Therapie angeboten:

Therapie: Radiosynoviorthese (RSO)

Bei der RSO handelt es sich um eine nuklearmedizinische Gelenktherapie, mit der betroffene Gelenke bei Gelenkrheuma oder auch Arthrose effektiv behandelt werden können. Durch den rechtzeitigen Einsatz der RSO kann die Krankheit verlangsamt oder unterbunden werden. Häufig ist durch die RSO eine Operation des betroffenen Gelenkes vermeidbar. Die Notwendigkeit zur RSO wird in enger Zusammenarbeit mit den Patienten behandelnden Fachärzten (Internisten, Orthopäden, Rheumatologen und Chirurgen) gestellt. In aller Regel ist eine vorherige bildgebende Diagnostik (MRT, Skelettszintigraphie) notwendig, um eine Entzündung nachzuweisen. Meist ist in den betroffenen Gelenken auch vermehrte Gelenkflüssigkeit (Erguss) vorhanden.

Durchführung der Radiosynoviorthese

Ambulant wird unter keimfreien Bedingungen das Gelenk mit einer dünnen Nadel punktiert und ein radioaktives Medikament mit einer kurzen Reichweite (halber bis 4 Millimeter) in das Gelenk gespritzt. Bis auf den Einstich verursacht dies dem Patienten keine Schmerzen. Die Behandlung kann nur nach Vorgespräch und nach Voranmeldung mit einem Vorlauf von mindestens einer Woche erfolgen. Die Therapie wird in unserer Praxis am Donnerstag oder Freitag durchgeführt.

Das Prinzip der Radiosynoviorthese

Das in das Gelenk injizierte radioaktive Medikament wird von den oberflächlichen Zellen der erkrankten, entzündlich veränderten Gelenkschleimhaut aufgenommen. Die Schleimhautoberfläche zeigt in der Folge eine Verschorfung und Vernarbung. Gleichzeitig ist die Entzündung und Flüssigkeitsbildung rückläufig. Außerdem werden feine Nervenendigungen ausgeschaltet, so dass der Schmerz vermindert oder beseitigt und die Gelenkfunktion verbessert wird. Die Wirkungen treten allmählich ein. Die endgültige Wirkung lässt sich erst nach 3-6 Monaten beurteilen. Nach der Behandlung ist eine Ruhigstellung der Gelenke für ca. 48 Stunden notwendig.

Die Therapie wird schon seit mehr als 20 Jahren erfolgreich angewendet. Die Erfolgschancen der RSO sind umso besser, je früher sie eingesetzt wird.